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Kaiserin Agnes und ihr Kämmerer

Gespeichert von Frank am/um 4. Oktober 2011 - 12:29

Kaiserin Agnes und ihr Kämmerer

Oberhalb der Stadt Goslar steht das Kaiserhaus. Es ist von dem Kaiser Heinrich II. erbaut worden, der sich mit seiner Gemahlin, der Kaiserin Agnes, gern dort aufhielt. Als die Kaiserin Agnes wieder einmal in ihrer Pfalz zu Goslar weilte, nahm sie eines Tages zu ihrem Schrecken wahr, dass ihr aus ihrer Kemenate viele köstliche Juwelen, goldene Ketten und Armbänder abhanden gekommen waren. Nur sie und ihr Kämmerer hatten einen Schlüssel zu dem Gemach, und so glaubte sie, der Kämmerer habe die Kleinodien gestohlen. Sie ließ ihn vor Gericht fordern, und obgleich er seine Unschuld beteuerte, wurde er doch zum Tode verurteilt und auf Befehl der Kaiserin hingerichtet. 

Eines Morgens stand die Kaiserin am Fenster. Da fiel ihr Blick auf eine hohe Linde, die dem Kaiserhaus gegenüber stand. Oben in der Linde aber sah sie ein Rabennest, und sie bemerkte, dass darin im Strahl der Sonne etwas funkelte und blitzte. Sie befahl dem Diener, den Baum zu besteigen und nachzusehen, was das sei. Der Diener tat, wie ihm befohlen war. Da fand er die gestohlenen Schmucksachen und brachte sie der Kaiserin. Nun erkannte Kaiserin Agnes, dass der Kämmerer doch unschuldig gewesen war. Sie ward darüber sehr betrübt und fragte ihren Beichtvater, was sie tun könne, um ihr Unrecht zu sühnen. Auf dessen Rat gründete Sie auf dem Kalkberge im Osten der Stadt ein Kloster, dass dem Apostel Petrus geweiht wurde. Auch sie ließ in dem dicht daneben liegendem Felsen, der noch jetzt die Klus heißt, eine Kapelle aushauen, in der fromme Priester täglich für ihr Seelenheil Messen lesen mussten. Dort ist das Grab des unglücklichen Kämmerers noch heute zu sehen.